Du willst mit Aquarellstiften anfangen. Aber im Laden stehen zwanzig verschiedene Sets. Und du weißt nicht welches du nehmen sollst. Dieser Artikel hilft dir bei der Wahl. Du erfährst welche Preisklassen es gibt. Welche Marken sich lohnen. Und welches Set zu dir passt. Ohne teures Lehrgeld. Beim Aquarellstifte malen ist der richtige Stift die halbe Miete. Ein guter Stift verzeiht viele Anfängerfehler. Ein schlechter Stift frustet dich schon nach dem zweiten Bild. Deshalb lohnt der kurze Blick vor dem Kauf.

Inhaltsverzeichnis
Was einen guten Aquarellstift ausmacht
Fünf Eigenschaften unterscheiden gute von schlechten Aquarellstiften. Wenn du diese kennst wählst du sicher.
Pigmentdichte. Ein guter Stift enthält viel Pigment und wenig Füllstoff. Die Farben leuchten kräftig. Ein schlechter Stift wirkt schon trocken blass. Und noch blasser nach dem Verwaschen.
Wasserlöslichkeit. Das Bindemittel in der Mine soll sich schnell und komplett in Wasser auflösen. Nur so entsteht ein sauberer Aquarelleffekt. Billige Stifte lösen sich oft nur teilweise. Übrig bleiben harte Striche.
Bruchsicherheit der Mine. Aquarellstiftminen sind weicher als normale Buntstiftminen. Trotzdem sollen sie beim Spitzen nicht ständig abbrechen. Markenstifte halten deutlich mehr aus als billige Modelle.
Farbauswahl. Ein guter Hersteller bietet mindestens 60 verschiedene Farbtöne an. Nicht damit du alle brauchst. Sondern damit du bei Bedarf einzelne Farben nachkaufen kannst.
Lichtechtheit. Aquarelle sollen jahrelang halten. Ein guter Stift ist lichtecht. Er verblasst nicht in der Sonne. Am Stiftende steht meistens ein Zeichen mit Sternen für die Lichtechtheit.
Mehr zu den Grundlagen der Technik findest du in meinem Artikel Aquarellmalerei.
Die drei Preisklassen im Überblick
Der Markt teilt sich in drei klare Preisklassen. Jede hat ihre Berechtigung. Über Links kommt man auf die Produktseiten auf Amazon und kann dort die aktuellen Preise ermitteln.
Schulklasse. Die einfachste Stufe. Etwa 5 bis 20 Euro für ein Set. Robuste Stifte für Kinder und für erste Versuche. Die Farben sind bunt. Aber sie leuchten wenig. Die Pigmentdichte ist gering.
Studienqualität. Der beste Kompromiss aus Preis und Leistung. Etwa 25 bis 60 Euro für ein Set. Hier fangen die meisten Hobbymaler an. Gute Pigmentdichte. Solide Bindemittel. Nachkäufe einzelner Stifte in der Regel problemlos möglich.
Künstlerqualität. Die Königsklasse. Etwa 60 bis 200 Euro und mehr. Sehr hohe Pigmentdichte. Maximale Lichtechtheit. Riesige Farbauswahl. Jeder Stift ist ein Werkzeug für ein ganzes Malerleben. Für Fortgeschrittene und Profis.
Welche Klasse zu dir passt hängt von zwei Fragen ab. Wie ernst meinst du es. Und wie viel willst du am Anfang ausgeben.
Schulklasse und Einstieg für etwa 5 bis 20 Euro
In dieser Preisklasse findest du Sets für Kinder und für den ganz kleinen Geldbeutel. Wichtige Vertreter sind Stabilo aquacolor Pelikan Aquarellstifte und Staedtler Noris aquarell.
Die Stabilo aquacolor sind ein Klassiker in vielen Grundschulen. Robuste Mine. Bunte Farben. Solide Wasserlöslichkeit. Für ambitionierte Erwachsene wirken sie aber schnell blass.
Die Pelikan Aquarellstifte kommen im typischen roten Kasten. Solide Verarbeitung. Für Kinder super geeignet. Für ernsthafte Aquarellbilder zu matt.
Die Staedtler Noris aquarell sind der schlanke Verwandte der karat aquarell Serie. Etwas mehr Pigment als reine Kinderfarben. Guter Anfang wenn du testen willst ob dir das Aquarellstifte malen liegt.
Für wen geeignet. Kinder ab dem Kindergartenalter. Erwachsene die einfach mal ausprobieren wollen ohne Geldrisiko. Nicht empfohlen wenn du wirklich schöne Aquarellbilder erwartest.
Studienqualität für etwa 25 bis 60 Euro
Hier startet der richtige Aquarelltraum. Die Stifte zeigen deutlich was Aquarellstifte können. Bekannte Vertreter sind Faber-Castell Goldfaber Aqua Staedtler karat aquarell Caran d’Ache Supracolor Soft und Winsor und Newton Studio Collection.
Die Faber-Castell Goldfaber Aqua sind die Studienlinie der berühmten Albrecht Dürer Serie. Sehr gute Pigmentdichte zum fairen Preis. Ideal für ambitionierte Anfänger.
Die Staedtler karat aquarell sind ein deutscher Klassiker. Weiche Mine. Hohe Wasserlöslichkeit. Sehr beliebt bei Skizzenbuchmalern.
Die Caran d’Ache Supracolor Soft kommen aus der Schweiz. Sehr weiche Mine. Kräftige Pigmentierung. Auch trocken angenehm zu zeichnen.
Die Winsor und Newton Studio Collection sind der neuere Player im Feld. Solide Qualität. Gute Deckung. Nicht ganz auf dem Niveau der etablierten Marken aber ein guter Einstieg.
Für wen geeignet. Hobbymaler die es ernst meinen. Einsteiger die keine Lust auf zwei Kaufschritte haben. Die Grenzen. Sehr feine Pigmentabstufungen und maximale Lichtechtheit erst in der nächsten Klasse.
Künstlerqualität für etwa 60 bis 200 Euro
Hier spielt die Musik. Wenn du bei einem Hobby lange bleiben willst lohnt sich dieser Schritt. Drei Serien sind Weltklasse. Ich stelle sie einzeln vor.
Faber-Castell Albrecht Dürer im Direktvergleich
Die Albrecht Dürer Serie ist der Klassiker der Künstleraquarellstifte. Der Name geht auf den deutschen Maler zurück.
Stärken. Sehr hohe Pigmentdichte. Ausgezeichnete Wasserlöslichkeit. 120 Farben im Sortiment. Jeder Farbstift einzeln nachkaufbar. Sehr gute Lichtechtheit mit drei bis fünf Sternen bei fast allen Farben.
Schwächen. Die Mine ist etwas härter als bei den Schweizern. Wer weiche cremige Stifte mag greift lieber zu Caran d’Ache. Beim Verwaschen bleiben in Einzelfällen leichte Striche sichtbar.
Preisrahmen. Ein 24er Set liegt bei etwa 60 Euro. Ein 60er Set bei rund 130 Euro. Das große 120er Set kostet je nach Etui zwischen 160 Euro (Metall) und 260 Euro (Holzkoffer).
Für wen geeignet. Fast alle Hobbymaler und viele Profis. Der beste Allrounder in der Klasse. Meine Standardempfehlung wenn du langfristig einsteigen willst. Link zu Amazon.
Caran d’Ache Museum Aquarelle im Direktvergleich
Die Museum Aquarelle Serie kommt aus der Schweiz. Der Name verweist auf die museale Qualität und Lichtechtheit.
Stärken. Sehr hohe Pigmentdichte in der Klasse. Praktisch vollständig wasserlöslich. Fast keine Rückstände nach dem Verwaschen. Die Farben leuchten sofort wie klassische Aquarellfarben aus dem Napf.
Schwächen. Der höchste Preis unter den drei Serien. 76 Farben im Sortiment. Damit weniger Auswahl als bei Faber-Castell. Die Mine ist sehr weich. Sie stumpft schnell ab und braucht häufiges Spitzen.
Preisrahmen. Ein 20er Set liegt bei etwa 130 Euro. Ein 40er Set bei rund 240 Euro.
Für wen geeignet. Fortgeschrittene und Profis die kompromisslose Farbqualität wollen. Wer viel Wert auf saubere Lasuren legt findet hier den Königsstift. Für den ersten Kauf zu teuer. Link zu Amazon.
Derwent Watercolour im Direktvergleich
Die Watercolour Serie von Derwent kommt aus England. Nicht zu verwechseln mit Derwent Inktense. Inktense sind Tintenstifte die nach dem Trocknen wasserfest werden. Watercolour dagegen sind echte Aquarellstifte.
Stärken. Traditionelle englische Qualität. Sehr gute Pigmente. 72 Farben im Sortiment. Etwas weichere Mine als Faber-Castell. Angenehm für längere Malsessions.
Schwächen. Die Farben sind eher gedeckt und weniger leuchtend als bei Caran d’Ache. Manche Töne wirken nach dem Verwaschen leicht kreidig. Nachkauf einzelner Stifte ist im deutschen Handel manchmal etwas umständlich.
Preisrahmen. Ein 24er Set liegt bei etwa 70 Euro. Ein 72er Set bei rund 200 Euro.
Für wen geeignet. Aquarellisten die gedämpfte natürliche Farbtöne mögen. Perfekt für Landschaften und botanische Motive. Link zu Amazon.
Wie viele Farben brauchst du wirklich
Die Kastenauswahl reicht von 12 bis 120 Farben. Doch mehr ist nicht immer besser.
12 Farben. Für den absoluten Einstieg. Zu wenig für ernsthafte Bilder. Mischen ist bei Aquarellstiften umständlicher als bei Napffarben.
24 Farben. Der beste Kompromiss für Anfänger. Genug Auswahl für die meisten Motive. Nicht überfordernd.
36 bis 60 Farben. Ideal für Fortgeschrittene. Feine Zwischentöne für Hauttöne Grüntöne und Grautöne.
72 bis 120 Farben. Für Profis. Und für alle die keine Farben mehr mischen wollen. Alles ist da.
Mein Rat. Fang mit 24 Farben an. Kauf einzelne Nachkäufe wenn du merkst welche Töne dir wirklich fehlen.
Einzelstifte oder Set was ist besser
Beim Aquarellstifte malen stehst du irgendwann vor dieser Frage.
Set kaufen. Der einfache Weg. Alle Grundfarben auf einmal. Meist mit einem kleinen Preisvorteil verbunden. Ideal für den Start.
Einzelstifte kaufen. Der individuelle Weg. Du wählst nur die Farben die du wirklich brauchst. Kein Ballast. Aber teurer pro Stift.
Die Kombination. Der praktische Weg. Ein 24er Set als Grundstock. Danach ergänzt du nach Bedarf mit Einzelstiften. Fehlt dir ein spezieller Grünton für Blätter oder ein warmes Grau für Schatten kaufst du sie einzeln nach.
Achtung. Nicht jede Marke bietet alle Farben einzeln an. Vor dem Setkauf immer prüfen. Sonst sitzt du später fest.
Zubehör das du zum Aquarellstifte malen brauchst
Der Stift ist nur die halbe Miete. Ohne passendes Zubehör bleibt die beste Farbe wirkungslos.
Du brauchst Aquarellpapier ab 200 Gramm pro Quadratmeter. Einen Rundpinsel in Größe 6 oder 8 oder einen Wasserpinsel für unterwegs. Einen Anspitzer speziell für weiche Aquarellstiftminen. Einen weißen Radiergummi für Vorzeichnungen. Und ein Glas Wasser.
Wie du diese Werkzeuge konkret einsetzt zeigt mein Beitrag Malen mit Aquarellstiften. Dort findest du auch drei komplette Übungen zum Nachmalen.
Wo du Aquarellstifte am besten kaufst
Es gibt drei Wege. Alle drei haben Vor- und Nachteile.
Fachhandel vor Ort. In einem guten Künstlerbedarf kannst du die Stifte in die Hand nehmen. Farben auf einem Probeblock ausprobieren. Fachliche Beratung inklusive. Preislich meist nahe an der Herstellerempfehlung.
Online-Shops für Künstlerbedarf. Der Standard heute. Große Auswahl. Meist niedrigere Preise als vor Ort. Bekannte Namen sind Gerstaecker Boesner und Modulor.
Amazon und andere Marktplätze. Der schnelle Weg. Große Auswahl. Manchmal richtige Schnäppchen. Aber Vorsicht bei Fälschungen von Markenware. Achte auf Verkäufer mit vielen positiven Bewertungen.
Mein Tipp. Erstkauf im Fachhandel. Nachkäufe online.
Häufige Fragen zum Aquarellstifte malen
Sind teure Aquarellstifte wirklich besser?
Ja aber nicht linear. Ein Sprung von 15 Euro auf 40 Euro macht einen großen Unterschied. Ein Sprung von 60 Euro auf 200 Euro merkst du erst wenn du schon fortgeschritten bist. Für Einsteiger reicht Studienqualität völlig aus.
Reicht ein Anfängerset zum Aquarellstifte malen?
Für die ersten Wochen ja. Kinder- und Anfängersets zeigen dir das Prinzip. Sobald du regelmäßig malst wirst du aber merken dass die Farben blass bleiben. Dann lohnt der Wechsel in die nächste Preisklasse.
Kann man Aquarellstifte einzeln nachkaufen?
Bei allen großen Marken ab Studienqualität ja. Faber-Castell Staedtler Caran d’Ache und Derwent bieten Einzelstifte an. Bei billigen Kindersets meist nicht. Deshalb ist die Markenwahl wichtig für den langen Weg.
Wie lange halten Aquarellstifte?
Aquarellstifte trocknen nicht ein. Sie halten viele Jahre in einer Schublade. Bei täglicher Nutzung ist ein einzelner Stift nach ein bis zwei Jahren aufgebraucht. Bei gelegentlicher Nutzung reicht ein Set locker fünf Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen Aquarellstiften und normalen Buntstiften?
Normale Buntstifte haben ein wachshaltiges Bindemittel. Sie lösen sich nicht in Wasser. Aquarellstifte haben ein wasserlösliches Bindemittel. Sie werden bei Kontakt mit Wasser zu Aquarellfarbe.
Kann ich Aquarellstifte mit normalen Buntstiften kombinieren?
Ja sehr gut sogar. Zuerst die verwaschenen Flächen mit dem Aquarellstift. Nach dem Trocknen setzt du feine Details mit einem normalen Buntstift.
Muss ich vor dem Malen einen Kurs machen?
Nein. Aquarellstifte sind der niedrigschwelligste Einstieg in die Aquarellwelt. Du hältst einen Stift wie beim Zeichnen. Das kann jeder. Ein Grundlagenartikel wie mein Beitrag Aquarell malen für Anfänger reicht als Einstieg völlig.
Kann ich mit Aquarellstiften auch klassisch aquarellieren?
Bedingt ja. Mit der Palettentechnik reibst du Farbe von der Mine ab und arbeitest wie mit klassischen Napffarben. Wenn du langfristig richtig aquarellieren willst schau ergänzend in meinen Beitrag Wasserfarben malen.
Mein Fazit welche Stifte für wen
Am Ende ist die Wahl einfach wenn du dich ehrlich einordnest.
Für Kinder und für den ersten Versuch. Ein Set von Stabilo aquacolor oder Pelikan Aquarellstifte. Kostet wenig. Reicht völlig für das Prinzip.
Für ambitionierte Anfänger. Ein Set der Faber-Castell Goldfaber Aqua oder der Staedtler karat aquarell. Der beste Startpunkt für ernsthafte Bilder.
Für Fortgeschrittene und Enthusiasten. Faber-Castell Albrecht Dürer. Meine Standardempfehlung. Ein Werkzeug für viele Jahre.
Für Profis und Sammler. Caran d’Ache Museum Aquarelle. Wenn du keinen Kompromiss willst und die kräftigste Pigmentierung suchst.
Wenn du nach dem Kauf inspiriert bist schau in meine Sammlung Aquarell malen Ideen. Über 40 Motivvorschläge warten dort auf dich.






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