In dieser Zeit mußte ein Maler nicht nur malen können, sondern auch das Wissen über die Herstellung von Farben haben und wie man diese anwendet. Bestimmte Farben wurden für bestimmte Bildaussagen eingesetzt und angesehen. Purpur galt als heilige Farbe. Andere Rottöne wurden als Leiden angesehen. Gold und weiß signalisierten die göttliche Gnade. Neben der Freskomalerei wurde bis ins 15. Jahrhundert mit Temperafarbe gemalt. Die Temperafarbe wurde im 15. Jahrhundert von der Ölfarbe verdrängt.
Giotto di Bondone
Der Vater der modernen Malerei
Giotto di Bondone wurde um 1267 in Vespignano bei Florenz geboren. Die Legende besagt, dass der Maler Cimabue ihn als Hirtenjungen entdeckte, als Giotto täuschend echte Schafe auf Steine zeichnete. Er gilt heute als die zentrale Figur, die die mittelalterliche Kunst revolutionierte.
Der Durchbruch zum Realismus
Giotto brach mit der starren, flächigen Tradition des byzantinischen Stils. Er führte die Räumlichkeit und die menschliche Emotion in die Malerei ein. Seine Figuren besitzen ein körperliches Volumen und eine psychologische Tiefe, die für die damalige Zeit bahnbrechend waren. Sein Meisterwerk ist der Freskenzyklus in der Scrovegni-Kapelle in Padua, der durch seine lebendige Erzählweise und natürliche Gestik besticht.
Vermächtnis in Florenz
Giotto war nicht nur Maler, sondern auch Architekt und wurde 1334 zum Leiter der Bauarbeiten am Florentiner Dom ernannt; der berühmte Glockenturm (Giotto-Campanile) trägt seinen Namen. Er starb am 8. Januar 1337 in Florenz. Sein Werk bereitete den Boden für Genies wie Masaccio und Michelangelo.
Giovanni Bellini
Der Meister der Farbe und des Lichts
Giovanni Bellini wurde um 1430 in Venedig geboren. Er entstammte einer bedeutenden Künstlerdynastie; sein Vater Jacopo und sein Bruder Gentile waren ebenfalls berühmte Maler, und sein Schwager war der bedeutende Andrea Mantegna.
Die Revolution der venezianischen Kunst
Bellini verwandelte Venedig in ein Zentrum der Renaissance. Er war einer der ersten italienischen Meister, die die Ölmalerei (beeinflusst durch die Niederländer) perfektionierten. Dies erlaubte ihm eine zuvor unerreichte Farbtiefe und atmosphärische Lichtwirkung. Seine Werke zeichnen sich durch eine tiefe Spiritualität und eine harmonische Verbindung von Mensch und Landschaft aus. Besonders seine Darstellungen der Madonna mit Kind und seine großformatigen Altarbilder, die sogenannten Sacre Conversazioni, prägten den Stil seiner Epoche.
Mentor der Giganten
In seiner langen Karriere passte er seinen Stil stetig an und blieb bis ins hohe Alter innovativ. Er war der Lehrer von Genies wie Giorgione und Tizian. Albrecht Dürer bezeichnete ihn 1506 bewundernd als den „Besten in der Malerei“. Giovanni Bellini starb am 29. November 1516 in seiner Heimatstadt Venedig.
Sandro Botticelli
Der Maler der Grazie
Sandro Botticelli (eigentlich Alessandro di Mariano Filipepi) wurde um 1445 in Florenz geboren. Er war einer der bedeutendsten Künstler unter der Schirmherrschaft der Medici und prägte das goldene Zeitalter der Florentiner Kunst.
Lineare Schönheit und Mythologie
Nach seiner Ausbildung bei Fra Filippo Lippi entwickelte Botticelli einen unverwechselbaren Stil, der durch elegante Linienführung und eine ästhetische Idealisierung besticht. Weltberühmt wurde er durch seine großformatigen mythologischen Darstellungen wie Die Geburt der Venus und Primavera. Diese Werke verbinden antike Themen mit christlicher Spiritualität und einer melancholischen Zartheit. Er schuf zudem bedeutende religiöse Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom.
Wandlung und Spätwerk
In seinen späteren Jahren geriet Botticelli unter den Einfluss des Bußpredigers Savonarola, was seinen Stil strenger und düsterer werden ließ. Er wandte sich von der heidnischen Mythologie ab und fokussierte sich auf tief religiöse Themen. Nach seinem Tod am 17. Mai 1510 in Florenz geriet er lange Zeit in Vergessenheit, bis er im 19. Jahrhundert als einer der größten Visionäre der Renaissance wiederentdeckt wurde.
Hieronymus Bosch
Der Schöpfer der Träume und Alpträume
Hieronymus Bosch (eigentlich Jheronimus van Aken) wurde um 1450 in ’s-Hertogenbosch (Niederlande) geboren. Er verbrachte sein gesamtes Leben in dieser Stadt, wo er Mitglied der exklusiven „Bruderschaft unserer lieben Frau“ war und als wohlhabender, angesehener Bürger galt.
Fantastische Welten und Moral
Bosch ist weltberühmt für seine detailreichen Wimmelbilder, die vor surrealen Kreaturen, hybriden Wesen und grotesken Höllenvisionen strotzen. Sein Hauptwerk, das Triptychon Der Garten der Lüste, zeigt den Weg der Menschheit zwischen Paradies, irdischer Sünde und grausamer Verdammnis. Trotz seiner bizarren Bildsprache war Bosch kein Außenseiter, sondern ein tiefreligiöser Mahner. Er nutzte seine drastischen Darstellungen, um vor moralischem Verfall und den Gefahren der Versuchung zu warnen.
Zeitloses Erbe
Seine einzigartige Fantasie beeinflusste Jahrhunderte später maßgeblich die Surrealisten wie Salvador Dalí. Bosch starb im August 1516 in seiner Heimatstadt. Bis heute rätselt die Forschung über die genaue Bedeutung seiner komplexen, oft beängstigenden Symbole.

Leonardo da Vinci
Das Auge der Welt
Leonardo da Vinci wurde am 15. April 1452 in Anchiano bei Vinci (nahe Florenz) geboren. Als unehelicher Sohn eines Notars begann er seine Ausbildung in der renommierten Werkstatt von Andrea del Verrocchio, wo sein Talent schon früh alle Zeitgenossen überstrahlte.
Perfektion und Innovation
Leonardo war weit mehr als ein Maler; er war Forscher und Erfinder. In der Kunst revolutionierte er die Malerei durch das Sfumato, eine Technik, bei der Konturen wie in Dunst verschwimmen, um eine lebendige Tiefe zu erzeugen. Seine Werke zeichnen sich durch beispiellose anatomische Genauigkeit und psychologische Komplexität aus. Mit dem Abendmahl schuf er das Fundament der Hochrenaissance, während die Mona Lisa durch ihr rätselhaftes Lächeln zum berühmtesten Porträt der Welt wurde.
Ein rastloser Geist
Sein Drang, die Naturgesetze zu verstehen, führte dazu, dass er viele Projekte unvollendet ließ. Er arbeitete in Mailand, Rom und Florenz, bevor er die letzten Jahre seines Lebens auf Einladung von König Franz I. in Frankreich verbrachte. Leonardo starb am 2. Mai 1519 auf Schloss Clos Lucé in Amboise.

Albrecht Dürer
Das Genie des Nordens
Albrecht Dürer wurde am 21. Mai 1471 in Nürnberg geboren. Als Sohn eines Goldschmieds lernte er früh die Präzision des Handwerks, bevor er sich in der Werkstatt von Michael Wolgemut der Malerei und dem Holzschnitt widmete.

Brückenbauer zwischen den Welten
Dürer war der erste deutsche Künstler, der die Errungenschaften der italienischen Renaissance mit der detailverliebten Kunst des Nordens verband. Er revolutionierte die Druckgrafik und erhob den Holzschnitt sowie den Kupferstich in den Rang einer eigenständigen Kunstform. Seine „Meisterstiche“ wie Ritter, Tod und Teufel sind technische Wunderwerke. Zudem war er ein Pionier des Selbstporträts und der wissenschaftlichen Proportionslehre. Mit seinem berühmten Feldhasen oder dem Großen Rasenstück bewies er eine bis dahin unbekannte Naturbeobachtung.
Internationaler Ruhm
Durch seine Reisen nach Italien und in die Niederlande wurde er zum ersten europäischen „Weltstar“ der Kunstgeschichte. Er war Hofmaler von Kaiser Maximilian I. und hinterließ ein gigantisches Werk aus Gemälden, Grafiken und theoretischen Schriften. Dürer starb am 6. April 1528 in seiner Heimatstadt Nürnberg.

Lucas Cranach der Ältere
Der Maler der Reformation
Lucas Cranach der Ältere wurde um 1472 in Kronach (Oberfranken) geboren; sein Künstlername leitet sich von seinem Geburtsort ab. Nach seinen Wanderjahren, die ihn unter anderem nach Wien führten, wurde er 1505 Hofmaler bei Kurfürst Friedrich dem Weisen in Wittenberg.
Kunst als Botschaft
Cranach entwickelte einen hocheffizienten Werkstattbetrieb, der hunderte Gemälde hervorbrachte. Sein Stil ist geprägt von einer klaren Linienführung und einer fast höfischen Eleganz. Als enger Vertrauter Martin Luthers wurde er zum „Bildermacher der Reformation“. Er schuf nicht nur die berühmtesten Porträts des Reformators, sondern entwickelte auch eine völlig neue protestantische Bildsprache (wie das Motiv „Gesetz und Gnade“). Neben religiösen Werken war er für seine feingliedrigen Aktdarstellungen und mythologischen Szenen bekannt.
Ein einflussreiches Leben
Cranach war nicht nur Maler, sondern auch Apotheker, Verleger und Bürgermeister von Wittenberg. Sein markantes Wappen – die geflügelte Schlange – wurde zum Gütesiegel seiner Werkstatt. Er starb am 16. Oktober 1553 in Weimar.
Michelangelo Buonarroti
Der Titan der Form
Michelangelo wurde am 6. März 1475 in Caprese (Toskana) geboren. Obwohl er sich primär als Bildhauer verstand (berühmt für seinen David), schuf er im Auftrag der Päpste Malereien, die den Lauf der Kunstgeschichte für immer veränderten.
Monumentalität und Anatomie
Sein malerisches Hauptwerk ist die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Zwischen 1508 und 1512 schuf er allein auf dem Deckengewölbe über 300 Figuren. Seine Darstellung der Erschaffung Adams wurde zur Ikone. Michelangelos Malstil ist extrem skulptural; er behandelte den menschlichen Körper wie eine in Farbe gemeißelte Statue. Jahrzehnte später kehrte er zurück, um an der Altarwand das monumentale Jüngste Gericht zu malen, ein Werk voller dramatischer Dynamik und nackter Emotionalität, das den Übergang zum Manierismus einläutete.
Ein ewiges Erbe
Michelangelo arbeitete bis ins hohe Alter für insgesamt sieben Päpste. Sein Drang nach Perfektion und seine spirituelle Tiefe machten ihn schon zu Lebzeiten zur Legende. Er starb am 18. Februar 1564 in Rom.

Matthias Grünewald
Der Visionär der Qual und Herrlichkeit
Matthias Grünewald (eigentlich Mathis Gothart Nithart) wurde um 1470 bis 1480 vermutlich in Würzburg geboren. Er wirkte als Hofmaler und Architekt für die Mainzer Erzbischöfe, blieb jedoch zeitlebens ein künstlerischer Einzelgänger abseits der idealisierenden Renaissance-Trends seiner Zeit.
Radikaler Expressionismus
Grünewald ist berühmt für seine kompromisslose Darstellung religiöser Ekstase und körperlichen Leidens. Sein Hauptwerk, der Isenheimer Altar (um 1512–1516), zeigt eine der schmerzhaftesten Kreuzigungen der Kunstgeschichte: Die Haut Christi ist übersät mit Wunden, was den Kranken des Antoniter-Spitals Trost spenden sollte. Im krassen Gegensatz dazu stehen seine visionären Lichteffekte, wie die strahlende, fast psychedelische Auferstehung, die seine Meisterschaft in der Farbdramatik beweist.
Das Ende in der Stille
Trotz seiner Anstellung am Hof sympathisierte er offenbar mit den Bauernaufständen und der Reformation. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er zurückgezogen als „Wasserkunstmacher“ (Ingenieur). Er starb im August 1528 in Halle an der Saale. Sein Werk wurde erst im 20. Jahrhundert als Vorläufer des Expressionismus voll gewürdigt.
Albrecht Altdorfer
Der Entdecker der Landschaft
Albrecht Altdorfer wurde um 1480 geboren, vermutlich in Altdorf oder Regensburg. Er war die führende Gestalt der sogenannten Donauschule und wirkte den Großteil seines Lebens in Regensburg, wo er nicht nur als Maler, sondern auch als Stadtbaumeister und Ratsherr hoch angesehen war.
Die Geburt der reinen Landschaft
Altdorfer revolutionierte die Kunst, indem er der Natur eine eigenständige Rolle zuwies. Er malte die ersten Bilder der europäischen Kunstgeschichte, in denen die Landschaft nicht nur Hintergrund, sondern das Hauptmotiv ist. Sein Stil ist geprägt von einer fast märchenhaften, atmosphärischen Dichte und dramatischen Lichteffekten. Sein berühmtestes Werk, die Alexanderschlacht (1529), zeigt ein kosmisches Panorama mit tausenden Details unter einem spektakulären Abendhimmel, das den Sieg über die Perser als kosmisches Ereignis darstellt.
Ein vielseitiges Erbe
Neben der Malerei war er ein Meister des Kupferstichs und der Radierung. Er verstand es wie kaum ein anderer, die Wildheit der deutschen Wälder und Alpen einzufangen. Albrecht Altdorfer starb am 12. Februar 1538 in Regensburg.
Raffael
Der Prinz der Maler
Raffael (Raffaello Sanzio) wurde am 6. April 1483 in Urbino geboren. Als Sohn des Hofmalers Giovanni Santi kam er früh mit der humanistischen Kultur in Kontakt und lernte später in der Werkstatt von Perugino, dessen Stil er bald an Eleganz übertraf.
Das Ideal der Hochrenaissance
Raffael gilt als der Vollender der Hochrenaissance. Sein Werk zeichnet sich durch vollkommene Harmonie, Ausgewogenheit und eine sanfte Schönheit aus. In Rom schuf er im Auftrag von Papst Julius II. die berühmten Stanzen im Vatikan – allen voran Die Schule von Athen, die das antike Wissen in einer meisterhaften Architekturperspektive vereint. Ebenso berühmt sind seine Madonnendarstellungen, wie die Sixtinische Madonna, die durch ihre mütterliche Anmut und spirituelle Klarheit bestechen.
Ein kurzes, strahlendes Leben
Trotz seiner immensen Produktivität als Maler und Architekt (unter anderem für den Petersdom) verstarb Raffael bereits an seinem 37. Geburtstag, dem 6. April 1520, in Rom. Sein Tod löste in der Kunstwelt tiefe Trauer aus; er wurde im Pantheon beigesetzt, eine Ehre, die seine Ausnahmestellung als „göttlicher“ Künstler unterstreicht.
Tizian
Der Titan der venezianischen Farbe
Tizian (Tiziano Vecellio) wurde um 1488 bis 1490 in Pieve di Cadore in den Dolomiten geboren. Schon in jungen Jahren kam er nach Venedig, wo er in der Werkstatt von Giovanni Bellini lernte und eng mit Giorgione zusammenarbeitete.
Die Macht der Farbe
Tizian wurde zum einflussreichsten Maler der venezianischen Schule. Sein Genie lag im Umgang mit der Farbe (Colorito) und dem Licht. Er löste die strengen Linien der Zeichnung auf und schuf durch übereinandergelegte Farbschichten eine lebendige, fast atmende Textur. Ob monumentale Altarbilder wie die Assunta oder sinnliche mythologische Szenen – Tizian beherrschte jede Gattung. Er war zudem der begehrteste Porträtist seiner Zeit und malte Kaiser Karl V. sowie Papst Paul III., wobei er es verstand, Macht und Charakter psychologisch tiefgründig darzustellen.
Ein langes, reiches Leben
Sein Spätstil wurde zunehmend freier und fast impressionistisch; er trug die Farbe oft mit den Fingern auf. Tizian verstarb am 27. August 1576 in Venedig, nachdem er über sieben Jahrzehnte lang die europäische Kunst maßgeblich geprägt hatte.

Hans Holbein der Jüngere
Der Analytiker des Gesichts
Hans Holbein der Jüngere wurde 1497 oder 1498 in Augsburg geboren. Er lernte das Handwerk in der Werkstatt seines Vaters, Hans Holbein des Älteren, bevor er nach Basel zog und dort als vielseitiger Künstler für Verleger und Humanisten wie Erasmus von Rotterdam tätig wurde.
Zwischen Basel und London
Aufgrund der religiösen Unruhen in der Schweiz suchte Holbein sein Glück in England. Dort stieg er zum Hofmaler von Heinrich VIII. auf. Seine Porträts, wie das monumentale Bildnis des Königs oder das Doppelbildnis Die Gesandten, sind berühmt für ihren fast fotografischen Realismus und die symbolische Tiefe. Holbein meisterte die Darstellung von Stoffen, Schmuck und Haut mit einer Präzision, die seine Zeitgenossen in Staunen versetzte. Er fing nicht nur die äußere Erscheinung, sondern auch die kühle Machtpolitik des Tudor-Hofes ein.
Ein bleibendes Erbe
Neben Porträts schuf er bedeutende Holzschnittserien wie den Totentanz. Holbein starb im Herbst 1543 in London an der Pest. Sein sachlicher, detailbesessener Stil prägte das Bild der Reformation und der englischen Monarchie bis heute.
Tintoretto
Das „reißende Gewitter“ Venedigs
Tintoretto (eigentlich Jacopo Robusti) wurde vermutlich 1518 in Venedig geboren. Sein Name, „das Färberlein“, leitete sich vom Beruf seines Vaters ab. Er war ein Außenseiter, der sich durch enorme Energie und ein fast rabiates Arbeitstempo den Weg an die Spitze der venezianischen Kunstszene erkämpfte.
Dramatik und Licht
Sein künstlerisches Motto lautete: „Das Zeichnen Michelangelos und die Farbe Tizians“. Tintoretto brach mit der harmonischen Ruhe der Hochrenaissance und wurde zu einem Hauptvertreter des Manierismus. Seine Werke zeichnen sich durch gewagte Perspektiven, extreme Verkürzungen und ein dramatisches Licht-Schatten-Spiel (Chiaroscuro) aus. Sein Lebenswerk schuf er in der Scuola Grande di San Rocco, die er über Jahrzehnte mit monumentalen, visionären Gemälden füllte.
Ein unermüdlicher Geist
Tintoretto war bekannt dafür, Aufträge durch Unterbietung der Konkurrenz oder durch enorme Schnelligkeit zu gewinnen. Anders als Tizian verließ er Venedig kaum und prägte das Stadtbild nachhaltig. Er starb am 31. Mai 1594 in seiner Heimatstadt Venedig.
Pieter Bruegel der Ältere
Der Chronist des Volkes
Pieter Bruegel der Ältere wurde um 1525 bis 1530 vermutlich in Breda (oder in einem Dorf namens Bruegel) geboren. Er begann seine Ausbildung in Antwerpen bei Pieter Coecke van Aelst und wurde 1551 Meister der dortigen Lukasgilde.
Zwischen Natur und Moral
Bruegel revolutionierte die Kunst, indem er das einfache Bauernleben zum würdigen Bildthema erhob. Seine Werke sind oft riesige Wimmelbilder voller Details, die menschliche Schwächen, Sprichwörter oder religiöse Themen in zeitgenössische Landschaften einbetten. Er meisterte die Darstellung der Jahreszeiten (wie in Die Jäger im Schnee) und schuf monumentale Visionen wie den Turmbau zu Babel. Seine Bilder sind nie bloße Abbilder, sondern scharfsinnige Kommentare zu Gesellschaft, Politik und der menschlichen Natur, oft gewürzt mit einer Prise Humor und Pessimismus.
Ein bleibendes Vermächtnis
Bruegel zog später nach Brüssel, wo er am 9. September 1569 verstarb. Er begründete eine Maler-Dynastie, doch seine eigene Originalität und sein Blick für das Detail blieben unerreicht. Er gilt heute als einer der größten Landschaftsmaler der Kunstgeschichte.

Giuseppe Arcimboldo
Der Meister des Paradoxen
Giuseppe Arcimboldo wurde um 1526 in Mailand geboren. Er entstammte einer Malerfamilie und begann seine Karriere mit Entwürfen für den Mailänder Dom, bevor er 1562 als Hofmaler an den kaiserlichen Hof nach Wien und später Prag berufen wurde.
Die Kunst der Kompilation
Arcimboldo wurde weltberühmt für seine „zusammengesetzten Köpfe“. In Zyklen wie Die vier Jahreszeiten oder Die vier Elemente schuf er Porträts, die vollständig aus Früchten, Blumen, Tieren oder Gegenständen bestehen. Was auf den ersten Blick wie ein bizarres Spiel wirkt, war am habsburgischen Hof hochgeschätzte Allegorie und Ausdruck einer tiefen Naturphilosophie. Sein berühmtestes Werk, das Porträt Kaiser Rudolfs II. als Gott Vertumnus, zeigt den Herrscher als Sinnbild für das Gedeihen des Reiches.
Wiederentdeckung durch die Moderne
Nach seiner Rückkehr nach Mailand im Jahr 1587 schuf er weitere Meisterwerke, bevor er am 11. Juli 1593 verstarb. Lange Zeit als Kuriosität abgetan, wurde sein Werk im 20. Jahrhundert von den Surrealisten um Salvador Dalí als geniale Vorwegnahme ihrer eigenen Kunst gefeiert.

El Greco
Der Maler des spirituellen Lichts
El Greco (eigentlich Doménikos Theotokópoulos) wurde 1541 in Candia (heute Iraklio) auf Kreta geboren. Er begann seine Karriere als Ikonenmaler in der byzantinischen Tradition, bevor er über Venedig und Rom nach Spanien gelangte.
Ein einzigartiger Stil
In Toledo fand er seine künstlerische Heimat. Er entwickelte einen radikalen Stil, der sich von jeglichem Realismus entfernte: Seine Figuren sind übernatürlich gelängt, die Farben flackern in kaltem, unirdischem Licht, und die Kompositionen wirken wie ekstatische Visionen. Sein Meisterwerk Das Begräbnis des Grafen Orgaz (1586) verbindet die irdische Welt perfekt mit der himmlischen Sphäre. Er gilt als Hauptvertreter des Manierismus, ging jedoch weit über dessen Konventionen hinaus, um tiefe Religiosität und Emotionen auszudrücken.
Vermächtnis der Moderne
Zu Lebzeiten oft unverstanden, wurde El Greco am 7. April 1614 in Toledo beigesetzt. Sein Werk geriet lange in Vergessenheit, bis es im 20. Jahrhundert von den Expressionisten und Kubisten (besonders Picasso) als wegweisend für die moderne Kunst wiederentdeckt wurde.






