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Die Königsdisziplin in der Malkunst?

Dienstag, 17.11.2009 von Kolinsky

Neulich bin ich beim surfen auf eine Aquarellgalerei eines namhaften Aquarellkünstlers gestossen. Dieser hat seine wunderschönen Aquarellbilder in einer Onlinegalerie präsentiert wo der begeisterte Besucher auch einen Kauf erfragen kann. Bereits verkaufte Exemplare sind dort entsprechend gekennzeichnet. Als weitere interaktive Funktion können dort auch die Besucher ihre Kommentare abgeben. Eine kleine Diskussion brachte mir wieder in Erinnerung das ich wohl die schwierigste aller Maltechniken als Hobby ausübe. Nun wird sich der Laie fragen Aquarellmalerei und schwierig? Sieht doch alles ganz einfach aus?

Das dachte auch ich bevor ich mit der Aquarellmalerei begann. Nach dem ich mir ein oder zwei Bücher über die Aquarellmalerei gekauft hatte, folgten natürlich auch die passenden Künstlerfarben, Rotmarderhaarpinsel und Aquarellpapier. In den Büchern sah alles so einfach aus. Die ersten Versuche waren aber sehr ernüchternd. Nichts wurde so wie gewünscht. Nach vielen Übungen gab ich mich mit den ersten Teilerfolgen zufrieden.

Diese Erfahrung mache ich immer wieder, wenn ich einige Wochen, Monate oder sogar ein Jahr nicht mehr gemalt habe. Der Wiedereinstieg ist meist recht schwer. Allerdings kommt man wesentlich schneller wieder in die Aquarellmalerei wieder hinein als in den Anfängen. Wie ich bereit in einen älteren Artikel berichtete ist die Malerei hauptsächlich Übungssache. Im Prinzip ist es wie mit einem Instrument. Wenn man viel und regelmäßig übt beherrscht man es immer besser.

Bei meinen letzten Einkauf in einem Laden für Künstlerbedarf fragt mich doch die Verkäuferin ob ich auch noch andere Maltechniken ausübe? Erstaunt antwortete ich mit Nein? Als Hobbymaler fehlt mir für eine weitere Maltechnik einfach die Zeit. Die Verkäuferin erwiderte “Na, da haben sie sich ja die schwierigste Maltechnik ausgesucht!”

Die Aussage saß. Warum ist die Aquarellmalerei die schwierigste Maltechnik? Auf der einen Seite gelingen sehr schnell gute Ergebnisse. Auf der anderen Seite ist das beherrschen von fließender Farbe fast unmöglich. Man benötigt dafür viel Erfahrung und Übung um ein halbwegs gezielte Ergebnis zu erzielen. Man muß sein Papier, die Farbfähigkeiten und Maltechniken beherrschen. Sonst wird man von den Farben und dem Wasser beherrscht. Man könnte ja nun einfach die Farbe in relativ trockener Konsistenz auftragen. Aber sorry, dabei würde der luftig leichte und spontan wirkende Aquarellcharakter verloren gehen. Aquarellmalerei bedeutet zumindest für mich auch auf das Unvorhergesehe richtig zu reagieren und in einem Bild daraus das Beste zu machen bzw. zu malen. Spontanität ist eine schwierige Kunst. Diese ist aber für großartige Aquarelle eine Grundvoraussetzung. Ich gebe zu, daran mangelt es auch mir sehr oft. Ob man Spontantanität durch viel Üben erlernen kann, weiß ich erlich gesagt nicht? Aber Übung hat noch keinem geschadet. Und irgendwann könnte ja ein Funken von Spontanität in die Übungsroutine einfließen?

Während man bei fast allen anderen Maltechniken Fehler durch übermalen korrigieren kann, ist dies in der Aquarellmalerei nur selten möglich. Auswaschen ist eine Technik wie man mißlungenes vereinzelt vertuschen kann. Aber je nach Pigmentqualität und Papiersorte geht dies nicht immer und ein Teil der Farbpigmete läßt sich nicht mehr oder kaum noch vom Papier lösen. Auch das Papier kann dadurch geschädigt werden. Also ist das Auswaschen wirklich keine gute Korrekturtechnik. Ein Neubeginn ist da sicherlich die sinnvollere Alternative. Und da wären wir wieder beim zentralen Unterschied Aquarellmalerei und andere Maltechniken. Man kann sich kaum Fehler beim malen eines Aquarelles erlauben. Kleine Fehler können im naßen oder feuchten Zustand evtl. noch durch aufheben der Farbe korrigiert oder abgeschwächt werden. Aber größere Fehler machen aus einem Aquarellpapier meist nur noch Altpapier. Ich verwende von solchen Bildern meist die Papierrückseite zum antesten von Farbmischungen. So kann ich eine passende Farbmischung besser einschätzen. Dies ist nicht zu unterschätzen, da die Farbe auf Papier anders wirkt. Und wenn die Farbe getrocknet ist, wirkt sie ebenfalls ganz anders als im feuchten Zustand.

Ich habe mich damals für die Aquarellmalerei entschieden und werde auch dabei bleiben. Hin und wieder ein paar Zeichenübungen sollen das Können für die Aquarellmalerei unterstüzten. Das malen in Acryl oder Öl kommt für mich nicht in Frage. Nicht weil ich solche Bilder nicht mag. Nein, weil ich einfach keine Zeit für eine weitere Maltechnik habe. Außerdem bin ich ja auch Schwabe. Da müßte ich ja noch mehr Materialien kaufen ;-)

Das faszinierende an der Aquarellmalerei ist wenn ein Bild eine gewisse Leichtigkeit und Spontanietät vermittelt. Die Vielfalt der Farbtöne die durch unterschiedliche Techniken entstehen können und auch die Vielzahl der anwendbaren Maltechniken lassen Spielraum für endlos viel Kreativität!

Dies ist es wohl auch was viele Künstler und Maler an der Aquarellmalerei fasziniert. Solche Künstler die verschiedene Maltechniken ausführen reden davon das die Aquarellmalerei die Königsdisziplin der Malkunst sei. Dem kann ich nach meinen bescheidenen Erfahrungen nur zustimmen.

Bitte meine Gedanken nicht fehlinterpretieren. Ich will damit nicht von der Aquarellmalerei abschrecken! Man sollte sich aber auch klar sein das es nach den ersten erfolgreichen Bildern noch ein weiter Weg sein kann bis man das Medium in den Griff bekommt. Aquarellmalerei kann Selbstbestätigung, Erholung, Unterhaltung und noch viel anderes bedeuten. Dies ist natürlich stark vom persönlichen Umfeld oder dem persönlichen Empfinden abhängig. Ich wünsche aber jeden Aquarellmaler ein gutes Gelingen!


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